Villa in den Zeiten der Pandemie

Villa in Zeiten der Corona-Pandemie I
Wenn sie Geld hätten, dürften sie ihre “Häuser” zum Einkaufen verlassen. So aber sind tausende armer Familien in Quarantäne auf Helfer angewiesen, die sie mit dem Nötigsten versorgen.

Für die Armen bleiben nur Brotkrumen übrig

Noch vor kurzem wurde Peru mit seinem dy­na­mi­schen Wachs­tum als öko­nomisches Muster­land in Latein­amerika gerühmt. Doch diesen Ruf hat Covid-19 inzwischen gründ­lich ruiniert. Obwohl die Regierung in Lima die drohende Pandemie bereits Mitte März – also deutlich früher als die Nach­bar­staaten ringsum – mit einem rigiden Lockdown zu ersticken versuchte, brachte der Andenstaat das Virus nicht unter Kontrolle. Schon im April rückte Peru auf einen Spitzenplatz in der weltweiten Corona-Statistik vor.

Angesichts der rasant anwachsenden Zahlen der Erkrankten und Toten nahm Carlos Castillo, der Erzbischof von Lima, bei einer Trauerfeier in seiner Kathedrale kein Blatt mehr vor den Mund: Der neoliberale Boom habe “vor allem die Eliten noch reicher gemacht”, während “für die Armen nur Brotkrumen übrig” geblieben seien. Mit fatalen Folgen im pandemischen Ausnahmezustand: Perus Gesundheitssystem, so predigte der Erzbischof, sei in Wahrheit “ein Krankheitssystem, denn es basiert auf Egoismus und Geschäft, nicht auf Barmherzigkeit und Solidarität mit den Menschen”.

Und doch waren gerade diese Tugenden – Barmherzigkeit und Solidarität – die wichtigsten Überlebensmittel für die Armen in Perus Elendsquartieren. Diesen Eindruck gewannen jedenfalls der frühere Tagblatt-Redakteur Sepp Wais und die am Uhland-Gymnasium gastierende Weltwärts-Freiwillige Melany Panta aus Villa El Salvador, als sie sich in Tübingens peruanischer Partnerstadt nach dem Alltag in Zeiten der Corona-Pandemie erkundigten. Die Ergebnisse ihrer Recherchen präsentierten sie auf einer Reportage-Seite, die am 13. Mai 2020 im “Schwäbischen Tagblatt” erschienen ist. Daraufhin gingen über 13.000 Euro an Spenden für unsere Projektpartner in Villa ein.   Zum Tagblatt-Bericht

Meldungen

Villa wird heute 50 Jahre alt

Am 11. Mai 1971 haben 2300 arme Familien ihr notdürftiges Hüttendorf im Süden von Lima zur Stadt ernannt. Daraus wurde in 50 Jahren eine Großstadt mit über 500.000 Einwohnern. Ein fröhlich ausgelassenes Geburtstagsfest gibt es heute aber nicht. Wenn trotz der Corona-Pandemie gefeiert wird, dann vor allem in den sozialen Medien.

Zoom into Villa El Salvador

Im Rahmen seiner digitalen Reihe “Zoom into …” erkundigte sich das städtische Kulturamt zuletzt nach der aktuellen Lage in Tübingens peruanischer Partnerstadt Villa El Salvador. Wer den Termin verpasst hat, kann das aufgezeichnete Video-Gespräch jetzt nachhören.

Ein herzliches Dankeschön

Wir hatten uns schon einiges erhofft für unsere notleidenden Partnerprojekte in Villa El Salvador, aber mit solcher Hilfsbereitschaft hatte niemand gerechnet: Dank der enormen Spendenbereitschaft konnten wir im Corona-Jahr 2020 über 50.000 Euro nach Villa überweisen.

Gleich zwei Mal im Fokus

Unsere Beziehungen zu Villa El Salvador sind dieser Tage gleich zwei Mal in den Fokus der Freiburger “Infostelle Peru” geraten – mit der “Geschichte einer langen Freundschaft” und mit dem Buchprojekt “Spätzle trifft Quinoa”.

Impfstoff aus China

Früher als erwartet, traf am 7. Februar eine erste Ladung Covid-Imstoff in Peru ein. Die 300.000 Dosen aus China sollen zunächst das medizinische Personal in den Krankenhäusern vor dem Virus schützen.

Endlich wieder da: Spätzle & Quinoa

Die ersten 1000 Exemplare gingen schneller weg, als es sich die Kochgruppe im “Hirsch” erträumt hatte. Jetzt gibt es ihr “solidarisches Kochbuch” wieder – bunt, kreativ, informativ und druckfrisch in dritter Auflage.