Impfstoff aus China

Ein Post-Container voller Hoffnung: Nach der Ankunft der Impfstoff-Lieferung aus China wurde sie rasch auf Transportflugzeuge der Luftwaffe umgeladen und übers Land verteilt. Bild: gob.pe

500 Promis waren schneller als die “Kämpfer an der Front”

Viele Peruaner hätten darauf gewettet, dass ihr Land frühestens im nächsten, vielleicht aber auch erst im übernächsten Jahr an die Reihe käme. Um so größer war die Überraschung über eine Twitter-Meldung, die Staatspräsident Francisco Sagasti am Sonntag, 7. Februar, absetzte. Die frohe Botschaft: In Peru ist die erste Ladung Corona-Impfstoff eingetroffen.

Das Flugzeug kam aus China, die Fracht stammte vom Staatskonzern Sinopharm. Wie die Zeitung “El Comercio” berichtete, nahm der Präsident höchstpersönlich die 300.000 Dosen des “Vero” genannten Impfstoffs vor laufenden Fernseh-Kameras auf dem Aeropuerto Internacional Jorge Chávez in Empfang. Dazu erklärte er: “Ich bin dankbar für die Bemühungen des privaten Wirtschafssektors und der Zivilgesellschaft, die diesen Erfolg möglich gemacht haben.”

Und weiter: “Jetzt können wir die erste Impfkampagne beginnen – für jene, die an vorderster Front kämpfen und dabei ihr Leben für uns riskieren.” Konkret meinte Sagasti damit die Ärzte und Krankenschwestern in den Kliniken. Zuvor aber wollte das Staatsoberhaupt mit gutem Beispiel vorangehen und sich die allererste Anticovid-Nadel setzen lassen. Doch die allgemeine Freude darüber, dass nun endlich mit dem Impfen begonnen wurde, schlug schon bald in “Wut und Empörung” um” -berichtet die “Infostelle Peru” in Freiburg unter dem Titel “Vacunagate und andere Versäumnisse”.

Der Grund: “Mitte Februar wurde bekannt, dass bereits im Jahr zuvor der damalige Präsident Martin Vizcarra und seine Frau klammheimlich die Impfung erhalten hatten.” Und diese beiden Promis waren nicht der einzigen, die damals eifrig nach einem Werbepäcken voller Impfstoff aus China gegriffen hatten: “Inzwischen weiß man, dass sich fast 500 hohe Beamte, Gesundheitsfunktionäre, Botschafter, Minister*innen und Universitätsrektoren samt Familien mit diesen Extra-Impfdosen „de cortesía“ versorgt haben.” Die Gelegenheit war günstig, da wollte auch der Botschafter des Vatikans in Peru die Spritze haben – als „ethischer Berater“ der staatlichen Impfkommission.

Die nächste Sinopharm-Lieferung – dann mit 700.000 Dosen – soll bereits am 13. Februar in Lima ankommen. Sie will Sagasti für weitere Beschäftigte im Gesundheitsbereich sowie für Angehörige der Streitkräfte, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste reservieren.

Beobachter in Peru werten die unerwartet frühen Lieferungen als “chinesisches Dankeschön” dafür, dass sich in dem Andenland überraschend viele freiwillige Probanden gleich zur ersten praktischen Testphase des Vero-Impfstoffs angemeldet hatten. Nach weiteren Testreihen, die dem neuen Medikament laut Hersteller eine Wirksamkeit von 86 Prozent bescheinigten, wurde Vero am 2. Januar in China zugelassen. Zwei Wochen später waren dort bereits zehn Millionen Menschen damit geimpft.

Ende Januar war zu lesen, dass die ungarische Regierung bis dahin schon fünf Millionen Dosen bei Sinopharm bestellt hatte – und das, obwohl der Vero-Impfstoff in der Europäischen Union noch gar nicht zugelassen ist. Ende Dezember reichte der chinesiche Konzern auch bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Zulassungsantrag ein. Das beigelegte Dossier wird bei der WHO derzeit noch geprüft. Mit einer Entscheidung wird frühestens im März gerechnet.                  Sepp Wais

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