Villa wird heute 50 Jahre alt

Weil wir nichts haben, werden wir alles schaffen

Mit diesem initialen Leitspruch zogen Anfang Mai 1971 über 2000 landflüchtige Familien in die sandige Templada de Lurín rund 20 Kilometer südlich von Lima. Sie waren der Armut in ihren Andendörfern entflohen und erhofften sich ein besseres Leben in der umtriebigen Metropole. Doch dort wollte sie niemand haben. Deshalb blieb ihnen schließlich nichts anderes übrig, als sich weit draußen in der öden Wüste niederzulassen.

Aber kaum waren dort die ersten Hütten aus Schilfmatten aufgerichtet, dokumentierte die inzwischen bestens organisierte Schicksalsgemeinschaft, dass sie diesen Ort nicht wieder aufgeben würde: Am 11. Mai 1971, am heutigen Dienstag vor 50 Jahren, erklärten die Siedler ihre neue Heimat zur Stadt und nannten sie bald darauf Villa El Salvador. Einen wesentlichen Anteil an dieser Gründungsgeschichte hatte der damalige Bischof Luis Bambarén, der sieben Wochen vor den “bodas de oro” (wörtlich “Goldene Hochzeit”, wird aber auch für andere 50-Jahr-Feiern gebraucht) im Alter von 93 Jahren an einer Covid-19-Infektion starb.

Die Corona-Pandemie ist auch schuld daran, dass der runde Geburtstag in Villa selbst kaum gefeiert wird. Nach unseren Informationen ging vom dortigen Rathaus keine Initiative aus, den 50. Jahrestag gebührend zu würdigen. Diese Aufgabe hat schon vor Wochen eine freie Bürgerplattform übernommen, die sich anlässlich des Jubiläums eine Reihe gemeinnütziger Aufgaben vorgenommen und diese teilweise auch schon abgearbeitet hat – so etwa die bessere Ausleuchtung öffentlicher Plätze, die Reparatur des eingestürzten Daches über der Stadt-Statue “Cristo El Salvador” oder auch den Aufbau einer kleinen Fabrik für die Herstellung von medizinischem Sauerstoff.

Gefeiert wird vor allem in den sozialen Medien – vorneweg mit überschwänglichen Glückwünschen auf Facebook. Daneben ist auch das im Kommunikationszentrum beheimatete Radio Stereo Villa aktiv: Die Rundfunk-Redaktion organisierte für das virtuelle Geburtstagsfest mehrere Konzerte, die jeweils live übertragen werden.

Lita Ruiz Linares, die Chefin des engagierten Journalisten-Teams, blickt übrigens mit sehr zwiespältigen Gefühlen auf die 50-jährige Geschichte Villas zurück. Ihrer Ansicht nach ist inzwischen Vieles, was sie heute in der auf 500.000 Einwohner angewachsenen Großstadt erlebt, durchaus nicht mehr im Sinne der Gründergeneration und ihrer Vision. Mit Blick auf den runden Geburtstag baten wir Lita Ende 2019 um eine kritische Würdigung der städtischen Entwicklung von Villa. Das Fazit ihres Artikels lautete: “Wir müssen uns fragen, was wir als Wähler*innen falsch machen, wenn wir immer wieder Politiker wählen, die nicht mit ihrem Volk reden und ihre Versprechen nicht halten.”

Aus dem Tübinger Rathaus geht heute ein digitaler Geburtstagsgruß rüber an die Kollegen in Villa El Salvador. Ursprünglich sollte diese Post persönlich überbracht werden. Bereits vor zwei Jahren wurden in unserem Städtepartnerschaftsverein erste Überlegungen angestellt, wie denn unser Beitrag zur 50-Jahr-Feier der Freunde an der Pazifikküste aussehen könnte. Die Beratungen konzentrierten sich schon bald auf die Idee, eine Bürgerreise nach Villa zu organisieren. Doch kaum ernsthaft in Betracht gezogen, war der Plan schon erledigt – von der Corona-Pandemie.

Ob und wann diese Reise nachgeholt wird, ist derzeit noch offen. Einstweilen kann man das Villa von 1971 ebenso wie das Villa von heute auch auf andere Weise ganz gut kennenlernen. Auf dem Filmportal “YouTube” findet man mit dem Suchbegriff “Villa El Salvador” eine Vielzahl von Videos, die tiefe Einblicke in die verschiedensten Themen, Wohnviertel, Einrichtungen,  Aktivitäten, Probleme – kurzum ins pralle Leben dieser Stadt ermöglichen. Wohl dem dabei, der Spanisch versteht. Man kann aber auch aus sprachlosen An- und Aussichten wertvolle Einsichten gewinnen – zum Beispiel in die Historia de Villa El Salvador.            Sepp Wais

 

Meldungen

Villa wird heute 50 Jahre alt

Am 11. Mai 1971 haben 2300 arme Familien ihr notdürftiges Hüttendorf im Süden von Lima zur Stadt ernannt. Daraus wurde in 50 Jahren eine Großstadt mit über 500.000 Einwohnern. Ein fröhlich ausgelassenes Geburtstagsfest gibt es heute aber nicht. Wenn trotz der Corona-Pandemie gefeiert wird, dann vor allem in den sozialen Medien.

Zoom into Villa El Salvador

Im Rahmen seiner digitalen Reihe “Zoom into …” erkundigte sich das städtische Kulturamt zuletzt nach der aktuellen Lage in Tübingens peruanischer Partnerstadt Villa El Salvador. Wer den Termin verpasst hat, kann das aufgezeichnete Video-Gespräch jetzt nachhören.

Ein herzliches Dankeschön

Wir hatten uns schon einiges erhofft für unsere notleidenden Partnerprojekte in Villa El Salvador, aber mit solcher Hilfsbereitschaft hatte niemand gerechnet: Dank der enormen Spendenbereitschaft konnten wir im Corona-Jahr 2020 über 50.000 Euro nach Villa überweisen.

Gleich zwei Mal im Fokus

Unsere Beziehungen zu Villa El Salvador sind dieser Tage gleich zwei Mal in den Fokus der Freiburger “Infostelle Peru” geraten – mit der “Geschichte einer langen Freundschaft” und mit dem Buchprojekt “Spätzle trifft Quinoa”.

Impfstoff aus China

Früher als erwartet, traf am 7. Februar eine erste Ladung Covid-Imstoff in Peru ein. Die 300.000 Dosen aus China sollen zunächst das medizinische Personal in den Krankenhäusern vor dem Virus schützen.

Endlich wieder da: Spätzle & Quinoa

Die ersten 1000 Exemplare gingen schneller weg, als es sich die Kochgruppe im “Hirsch” erträumt hatte. Jetzt gibt es ihr “solidarisches Kochbuch” wieder – bunt, kreativ, informativ und druckfrisch in dritter Auflage.