Ein Lehrer sorgt für Aufsehen

Wahl in Peru
Der kaum bekannte Grundschullehrer aus Chota in den nördlichen Anden hat am 11. April viele Peruaner überrascht: Pedro Castillo holte bei der Präsidentschaftswahl die meisten Stimmen.     Bild: Sondra Wentzel

Von den Tiefen und Untiefen der Demokratie in Peru

Nachdem in jüngster Zeit eine stattliche Riege von Präsidenten ihrer korrupten Amtsführung oder auch parlamentarischen Intrigen zum Opfer gefallen sind, waren am 11. April rund 25 Millionen wahlberechtigte Peruaner*innen wieder einmal aufgerufen, mehr noch: unter Androhung einer Geldstrafe gesetzlich verpflichtet, ein neues Staatsoberhaupt und dazu noch ein neues Parlament zu wählen.

Insgesamt traten 16 Männer und zwei Frauen – mehr oder minder engagiert unterstützt von alten Parteien und neuen Splittergruppen – zur Wahl an. Da sowohl die politische Rechte wie auch die Linke tief gespalten und viele Wähler*innen bis zuletzt noch unentschlossen waren, beschränkten die Wahlforscher ihre Prognosen zumeist auf die Aussage, es werde wohl ein knappes Rennen zwischen mehreren Bewerbern geben. Das deckte sich immerhin mit den meisten Umfragen, in denen kein Kandidat deutlich mehr als zehn Prozent der Stimmen erreichte. Deshalb galt es von vornherein als ausgemacht, dass für die Präsidentschaftswahl ein zweiter Urnengang fällig würde.

Und so kam es dann auch: Von den 18 Kandidat*innen schafften nur vier ein zweistelliges  Prozent-Ergebnis. Die beiden Erfolgreichsten in diesem Quartett dürfen nun am 6. Juni zur Stichwahl antreten: Pedro Castillo mit 18,9 Prozent der Stimmen und Keiko Fujimori mit 13,4 Prozent. Keiko Fujimori ist in Peru wohlbekannt. Sie ist die Tochter des neoliberalen Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, die schon mehrmals nach dem höchsten Amt im Staat gegriffen hat – vor allem wohl, so argwöhnen viele Peruaner, um ihren korrupten Vater aus dem Gefängnis zu befreien. Sie scheitere dabei nur knapp.

Wie Keiko Fujimori galt auch Pedro Castillo bei vielen Wahl(kampf)beobachtern als Geheimfavorit, zumal er in mehreren nicht-authorisierten Umfragen kurz vor Torschluss überraschend schnell bis auf Platz zwei vorrückte. Die rechte Presse warnte ihre Leser bereits davor, dass sich mit dem umtriebigen Lehrer und Gewerkschafter die maoistische Partei oder gar die Terrororganisation „Leuchtender Pfad“ in die Wahl einmischen könnte. Und die Linken haderten mit Castillo wegen seiner erzkonservativen familien- und gesellschaftspolitischen Positionen – und nicht zuletzt auch, weil er sich ausdrücklich dazu bekannte, er werde als Präsident „das Vermögen der Menschen“, also auch der reichen Menschen nicht antasten.

Wer sich noch weiter in die Tiefen und Untiefen des demokratischen Prozesses in Peru begeben möchte, dem sei hier ausdrücklich die detaillierte und kenntnisreiche Wahlanalyse von Andreas Baumgart zur Lektüre empfohlen. Der profunde Peru-Kenner hat seine Nachbetrachtung mit dem Titel „Wahlsieg des andinen Populismus“ auf der Homepage der Freiburger „Informationsstelle Peru“ veröffentlicht.             Sepp Wais

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